Smart City: Sind Informatiker die neuen Stadtplaner?

Der häufig diskutierte Ansatz der Smart City wird als eine Art notwendige Rettung unserer Städte hoch gelobt. Mittlerweile werden aber auch negative Auswirkungen auf wertvolle Disziplinen der Stadtentwicklung erörtert. Grund genug, uns mit dem Thema Smart City näher zu befassen.

Zentrum Uster
Animation: Piotr Drewnowsky

Was Smart City in der Schweiz bedeutet

In der Schweiz wird Smart City eng mit der Energieproblematik unserer Städte verbunden. Eine Smart City «bietet ihren Bewohnern maximale Lebensqualität bei minimalem Ressourcenverbrauch dank einer intelligenten Verknüpfung von Infrastruktursystemen mittels neuen Kommunikationstechnologien». Diese eröffnen insbesondere in den Bereichen Energie, Infrastruktur, Gebäude und Mobilität effizientere Stadtabläufe.

Mit dem Internet der Dinge werden unglaublich viele Dinge Daten in Echtzeit sammeln und uns überall massgeschneidert beraten. Mit Sensoren ausgestattete Strassen, Schuhsohlen und Bahnsteige warnen uns unterwegs vor überfüllten Zügen oder Strassen und zeigen Alternativrouten an, andere überwachen zuhause unsere Gesundheit und den Inhalt unseres Kühlschranks. Eine Smart City umfasst alle Bereiche der Stadt und des Lebens. Im Mittelpunkt stehen jedoch weniger die Einflüsse im Privaten als die neuen Auswirkungen auf die Öffentlichkeit.

«Öffentlichkeit» umschreiben wir mit Begriffen wie Begegnung, Austausch und Diskussion. Öffentlichkeit ist in diesem Verständnis eine Qualität, die wir an unseren Stadtzentren schätzen. Nirgendwo gibt es mehr Möglichkeiten zur Begegnung, zum Austausch und zur Diskussion. Als Stadt- und Nutzungsplaner denken wir an breit gefächerte publikumsorientierte Nutzungen im Erdgeschoss, flexibel nutzbare Aussenräume, an Räume mit Aneignungschancen, kleinmaschige Vernetzungen, an Kontaktflächen zwischen Gebäuden und öffentlichem Raum.

Spannend ist, was anders ist!

Intelligente Städte bieten dem Nutzer Services an, um einen effizienten Gebrauch der Stadt sicherzustellen. Doch werden damit die Bedürfnisse ‚der Nutzer’ wirklich gedeckt? Ein Blick auf die Innenstädte zeigt, dass für Stadtbesucher «ich brauche etwas» schon längst nicht mehr der Treiber ist. Der Treiber ist: «ich will etwas erleben!».

Der Architekturtheoretiker Hans Frei schreibt dazu: «Wenn (..) der öffentliche Bereich einem nahtlosen Funktionieren unterworfen wird, hört die Stadt auf, ein Ort für öffentliche Auseinandersetzungen zu sein, und verkommt zu einem banalen Konsumparadies, einem exklusiven Klub oder einer feudalen Oase.» Smart Citys lassen keinen Raum mehr für Unvorhergesehenes und Spontanes, für Auseinandersetzungen, Komplexitäten und Andersartigkeiten. Kurz: Es ist langweilig und nicht im Interesse des Stadtnutzers. Spannend ist, was anders ist!

Die Algorithmen der Smart City sind der Doktrin der Effizienz unterstellt, sie erzeugen Abläufe wie am Fliessband. Identitätsentwicklung kann jedoch nicht der Informatik mit programmierten Algorithmen überlassen werden. Einzigartigkeit, spezifische Charakteristika, besondere Atmosphären und andere Qualitäten der Stadtidentität können nicht programmiert werden. Die Identitätsentwicklung setzt bewusst auf spannende Dissonanzen. Kein Widerspruch, sondern ein interessantes Miteinander.

In diesem Sinne begleiten wir Städte und Gemeinden auf dem niemals endenden Weg der Weiterentwicklung ihrer einzigartigen Identität. Es dürfen auch Smart Cities sein.

 

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