Siegerprojekt - Testplanung Stadtteilentwicklung Papieri Cham/Schweiz


In aller Regeln fordern Testplanungen: „Ein lebendiger, gut durchmischter Stadtteil soll entstehen.“ Damit die neuen Stadträume nicht nur auf den 3D-Renderings, sondern auch in der gebauten Realität die gewünschte Belebung finden, wurde bei der Entwicklung des Siegerprojektes die Fachdisziplin der Nutzungs- und Identitätsentwicklung hinzugezogen.

Es wurden Lösungen geschaffen, welche insbesondere Erdgeschosse und den öffentlichen Raum Nutzungen zuführen, die auf den angestrebten Bewohnermix und auf das Potenzial des Ortes abgestimmt sind. Damit wird die Chance optimiert, dass die Räume tatsächlich angenommen werden. Hinzu kommt die Fokussierung auf Identifikationsmöglichkeiten, welche Zugehörigkeit und damit den Charakter des Areals über Jahrzehnte hinaus definieren können.

Wichtig bei diesem Projekt ist die Erkenntnis: Architektur, Städtebau und Freiraumgestaltung werden den Charakter des Areals nur dann langfristig positiv definieren, wenn sie gleichzeitig eine Identifikation der neuen Bewohner und damit eine intensive „Benutzung“ erzeugen können. Der Stadtnutzer steht bei diesem Projekt im Mittelpunkt der Betrachtung.


Projektkonzept aus Sicht der Nutzung & Identität

 «To Make the Place» ist Programm: Transformation vom geschlossenen, industriellen Areal zum öffentlichen Stadtteil mit publikumsorientierten Nutzungen. Der Nukleus ist der Auftakt der Transformation und bestimmt Positionierung und Stimmung im neuen Stadtteil.

Vision - Die vorhandenen Werte (Industrie-Mythos, Papierveredlung, Gebäude- und Identitätsbestand) sind zu nutzen und neu zu interpretieren.

Städtebauliche Struktur  - Ein Fussabdruck, welcher den Bestand respektiert und Neues gleichwertig hinzufügt, ist gefragt. Der Raum dazwischen ist nicht Zwischenraum, sondern Lebensraum.

Signatur «Dandy Roll» - Die Dandy Roll ist der Schlüssel in der Papier-Veredlungstechnik, wie an diesem Standort praktiziert wird. Diese Technologie verkörpert die Haltung in der Arealentwicklung - hochwertig und innovativ.

Rollende Planung - Die Etappierung folgt nicht in Form von Parzellierung und Baufeldern, sondern Schritt für Schritt und rollend. Während der Gebäude- und Identitätsbestand in der ersten Phase sorgfältig gepflegt und erneuert wird, nutzt die Bevölkerung das Restland und die Restgebäude temporär und aktiv (produktive Stadtlandschaft).

 

Nutzungsprogrammierung

Der Auftakt der ersten Etappe bestimmt über den Erfolg der Entwicklung und die Stimmung im neuen Stadtteil. Die Nutzung nimmt deshalb die Wesensmerkmale von Cham auf und erhofft sich damit eine starke Identifizierung seitens der Bevölkerung. Die sechs Nutzungsmodule:

Wohnen – hier lebt das Gemeinschaftliche

Die soziale Durchmischung stärkt den Standort Cham. Die Werte: gesellig, familienfreundlich, vielfältig.

1. Atelierwohnen für Arbeit und Leben (-24 Stunden vor Ort)

2. Familienwohnen Eigentum, Miete, Gemeinnütziger Wohnungsbau (-24 Stunden vor Ort)

3. Statusorientierte (urban, selbstbewusst) 18-8 Uhr vor Ort

4. Alteingesessene Chamer und Zuger, gute Netzwerker, leben gerne dort, wo sich etwas bewegt (-24 Stunden vor Ort)

5. Singles und Alleinerziehende (schätzen Raum zur Selbstentfaltung, kommunikativ)

Life Science und Nutrition

Praktische Lebenswissenschaft nun auch in Cham. Firmenursprung von Nestlé/Angloswiss ist Cham. Es entsteht ein Zentrum für «Health and Diet». Das Firmenhochhaus wird zum neuen Wahrzeichen der Papieri. Zum Set gehören auch Fitness und Well-being sowie gesunde Ernährung, Bewegung und Tanz.

Gastronomie & Kulturevent

Cham wird sich kaum als Kulturstadt positionieren können. Und trotzdem kann eine chamspezifische Kultur auf dem Areal wiedererfunden werden. Hauptträger ist die Zuger Eisenbahn-Miniaturausstellung (zurzeit schlummert sie in einem Lagerhaus). Eine Bibliothek mit Café schafft den Bezug zur Örtlichkeit. Dem Papier wird also wieder Sinn gegeben. Ausstellungen und Events, welche Bezug zu Papier und seiner Anwendung haben, finden im Dandy-Roll-Saal statt.

BOX-PARK mit Pop-up Stores & Infotainment

Publikumsorientierte Flächen zu füllen, bleibt schwierig. Deshalb taucht hier das Pop-up-Store Konzept auf. Durch plötzliches (kurzfristiges) Auftauchen von Marken, Events und Waren werden Boxen besetzt, die in den bestehenden Hallen untergebracht sind oder frei auf dem Areal eingesetzt werden können. Die Mieten für die temporäre Benutzung sind hoch – der ständige Wechsel muss gut orchestriert werden. Dafür braucht es ein aktives Arealmanagement.

Herstellen, herausstellen, ausstellen

Handwerk in allen Arten und Formen erhält einen neuen Stellenwert. Die Produktionshallen eignen sich hervorragend, aber das Leben rundherum (und auch das Image) muss stimmen. Der Bezug zum Papier wird auch hier hergestellt: Beispielsweise zeigt die «Bookfactory» dem Besteller gleich wie sein Fotoalbum oder sein Tagebuch produziert wird. Eine Buchausstellung mit den schönsten Werken lässt die Besucher erstaunen.

Nahversorgung

Zum Stadtteil gehört in der ersten Bauetappe eine Alltagsversorgung für die Bewohner. Eine Tankstelle mit Migrolino, Spar, avec etc. bietet den Bewohnern aber auch den Durchreisenden eine Grundversorgung. Es kann auch eine Bäckerei mit Postagentur sein. Wichtig ist, dass die Nahversorgung an die Knonauerstrasse angebunden ist.


 
Papieri 

Impression Papieri-Areal Cham


Zusammensetzung Siegerteam

Architektur: Albi Nussbaumer, Zug; Boltshauser Architekten, Zürich; Landschaftsarchitektur: Appert & Zwahlen, Partner, Cham; Nutzung und Identität: intosens–urban solutions, Zürich; Raumökonomie/ Baurecht: INREIM Zürich und VLP-ASPAN; Energie: EK Energiekonzepte, Zürich; Verkehr: Emch und Berger WSB, Cham.


Beste Grüsse

intosens ag
urban solutions
Waffenplatzstrasse 54
+41 44 205 55 44
54@intosens.ch
www.intosens.ch